In meiner Malerei spielt das Literaturbild eine besondere Rolle ich arbeite seit langem an Zyklen zu Texten von Schriftstellern wie Franz Kafka, Gertrud Kolmar, Edmond Jabès, Paul Celan. Weitere Autoren werden folgen. Diese Schriftsteller verbindet eine besondere Kraft und Bildhaftigkeit der Sprache, eine Eigentümlichkeit der Fantasie, aber auch etwas Kryptisches und Verschlossenes. Das gibt mir viel Raum für eine eigene Deutung.
Von der Technik her arbeite ich im Stil der neuen Sachlichkeit, mit einer poetischen und zugleich nüchternen Bildersprache. Meine Ästhetik ist im Umfeld der Leipziger Schule anzusiedeln. Meine bildnerischen Aussagen sind konkret ablesbar, wenn auch vielfältig deutbar. Ich benutze klassische Chiffren der Malerei, um mehr Vielschichtigkeit in den Darstellungen zu erreichen. Die minutiöse Beherrschung des Handwerks sehe ich als Voraussetzung dafür an, das Darstellbare in den Bildern verdichten und erweitern zu können. Gleichzeitig ist meine Malerei zeitgenössisch, meine Bilder stehen sozusagen in der Spannung einer traditionellen (oder traditionsreichen) Technik mit unkonventionellen, individuellen Bildinhalten.
Ein weiterer wichtiger Bereich für meine Kunst ist das Judentum. Dabei wird auch das Thema "Shoa" problematisiert. Für mich als Jüdin entwickelte sich daraus die essentielle Frage, wie ich das Unsagbare und die Unvorstellbarkeit der Shoa mit bildnerischen Mitteln umsetzen kann.
In meiner Malerei gibt es immer einen Realitätsbezug, ich brauche die erlebte und die "gesehene Welt". In ihr setze ich mich mit dem Fundament der Wirklichkeit auseinander sonst würde die Malerei im dekorativen Bereich stehen bleiben. Im Mittelpunkt meiner Bilder steht der Mensch. Dabei sind für mich Themen wie "Gescheiterte Lebensentwürfe, Deformationen, Zerstörung, Gewalt und Sprachlosigkeit" von besonderer Bedeutung. Alle Bilder greifen in bestimmten Bereichen ineinander, zeigen Parallelen, zeigen verschiedene Facetten des Hauptthemas, wie immer wieder neue Variationen einer Komposition.
Das ist vielleicht auch im Sinne der Dekonstruktion zu verstehen: Dekonstruktion bezeichnet eine Strömung in der (philosophischen) Literaturkritik (J. Derrida), bei der versucht wird, Worthülsen aufzubrechen und diese auseinander zu nehmen zu de-konstruieren was natürlich auch eine Form der Konstruktion ist, nur mit einem anderen, sehr offenen und vielfältigen Ergebnis. So können auch meine Bilder auf diese Weise immer neu gesehen und verstanden werden.